70 Jahre Kirchweih

13.05.2020

Gedanken zu 70 Jahre Kirchweih
St. Johannes d. Täufer Mackenzell

Liebe Mackenzeller,

Mackenzell blickt in diesen Wochen auf zwei tiefgreifende Ereignisse zurück:

75 Jahre Kriegsende am 01. April 1945 (siehe Bericht auf Mackenzell.de)

70 Jahre Kirchweih der neuen Pfarrkirche am 09. Mai 1950 (siehe Bericht auf Mackenzell.de)

Wäre die Corona Pandemie nicht dazwischen gekommen, hätten wir am 10. Mai einen Festgottesdienst mit anschließendem Pfarrfest gefeiert. Wir hoffen, dass wir zur Kirmes im November einiges davon nachholen können.

Dennoch bieten uns die o.g. Gendenktage Anlass mal darüber nachzudenken, mit welchen Herausforderungen die Mackenzeller vor 75 Jahren konfrontiert waren.

Zwei derartige Extrem-Ereignisse innerhalb von nur 5 Jahren! Wie geht das?

Beim Rückblick stellt man fest, dass die Dorfgemeinschaft in Mackenzell immer wieder die Herausforderungen der Zeit gemeistert hat und sich dabei immer weiter entwickelt hat:

Das Ende des zweiten Weltkrieges hat Mackenzell durch starken Beschuss, viele abgebrannte Höfe und der abgebrannten Pfarrkirche einen besonders schweren Start in die danach folgende friedliche Zeit beschert.

Hinzu kommt, dass viele Familien um im Krieg gefallene oder vermisste Väter und Söhne trauerten oder dass traumatisierte Kriegsheimkehrer einen neuen Anfang finden mussten.

Auch durch die Unterbringung und Integration der vielen Heimatvertriebenen wurde die Dorfgemeinschaft in besonderem Maße gefordert.

Wirtschaftlich konnte sich Mackenzell durch kleine Familienbetriebe in den 60-iger und 70-iger Jahren gut entwickeln, so dass viele traditionell bäuerliche Familien ein Zusatzeinkommen im Ort erzielen konnten.

Durch den Strukturwandel seit ca. den 90-iger Jahren sind aber sowohl die traditionellen bäuerlichen Erwerbsformen als auch die mittelständischen Betriebe und Arbeitsplätze im Ort fast völlig verschwunden. Damit einhergehend sind natürlich auch viele tägliche Begegnungsstätten der Dorfbewohner wegegefallen.

Obwohl sich das Zusammenleben der Dorfgemeinschaft mit ihren zahlreichen Gewohnheiten und täglichen Kontakten mehrfach grundlegend geändert hat, haben sich immer wieder neue und lebendige soziale Beziehungen und Aktivitäten quer durch alle Generationen entwickelt.

Die persönlichen Beziehungen und Kontakte beschränken sich dabei nicht allein auf Familien oder Nachbarschaftsnetzwerke, sondern immer auch auf Aktivitäten rund um die gemeinsamen Werte- und Freizeitinteressen.

Durch das ausgeprägte ehrenamtliche Engagement der Mackenzeller im Kultur-, Sozial- und Sportbereich aber auch im kirchlichen Bereich haben sich vielfältige Gemeinschaftsstrukturen in kleinen Teams und Vereinen entwickelt. Diese sorgen mit ihren zahlreichen regelmäßigen Aktivitäten und Angeboten seit Jahrzehnten für attraktive Gemeinschaftserlebnisse, soziale Dienste und bis zu einem gewissen Maße auch Infrastrukturpflege. Quer durch alle Generationen und Bevölkerungsschichten wird die attraktive Lebensqualität im Sozialraum Mackenzell geschätzt und sorgt für eine hohe Identifikation der Bürger mit dem Ort.

Klingt wie im Märchen, war aber noch im letzten Jahr bei paradiesisch vielen schönen Gemeinschaftsaktionen in unserem Dorf erlebbar. Vielleicht bietet gerade die durch Corona erzwungene Zwangspause aller Ehrenamtlichen mal Zeit, das Jahr 2019 etwas genauer zu dokumentieren?

Übrigens, aktuell wird unter dem Dach des Heimat- und Kulturvereins diskutiert, wie man solch eine Faktensammlung über die vielen Vereinsaktivitäten organisieren könnte. Es wäre schön, wenn sich möglichst viele Vereine an einer solchen Aktion beteiligen würden.

Wir wissen gerade jetzt, dass derart viele Aktivitäten in einem Dorf keine Selbstverständlichkeit sind. Eine übergreifende Auswertung könnte zu interessanten Erkenntnissen und zu einem gestärkten Selbstbewusstsein der Dorfgemeinschaft führen. Auf all die in den letzten 75 Jahren erreichten Gemeinschaftsleistungen können wir mit Dankbarkeit und Stolz zurückschauen und sie sollten uns Mut für die Zukunft machen.

Mit einer solchen Grundhaltung können wir auch die vor uns liegenden Herausforderungen und Einschnitte besser angehen:

Veränderungen durch den demographische Wandel,

veränderte Familien- und Arbeitsverhältnisse,

Veränderungen der ethischen Werte und der Glaubensüberzeugungen

Veränderungen durch den noch nicht abgewendeten Klimawandel

Verbesserungen der gemeinschaftlich nutzbaren Räumlichkeiten und Infrastruktur

jetzt dominierend hinzugekommen, die Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln im Umgang mit der Corona Pandemie

All diese vor uns liegenden Veränderungen gehen quer durch alle Familien, Gruppen und Vereine. Das Kirchweihfest vor 70 Jahre sollte uns daran erinnern, dass sich auch die vor uns liegenden Herausforderungen in einer starken, stets sich selbst neu ausrichtenden Dorfgemeinschaft besser meistern lassen.

Text: Stefan Meyer
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